Ende des Kapitels 2:

     Die Zeit ist trotzdem vergangen, morgen gehen wir in den Weihnachtsurlaub. Fast vierzehn Tage weg hier, keinen Ärger, keinen Krach, ich freue mich schon darauf. Nur die reine Freude allein ist es aber nicht. Seit ein paar Tagen mache ich mir schon Gedanken, was mache ich nächstes Jahr mit den Damen. Office ist fertig, jedenfalls werde ich damit keinen Blumentopf mehr gewinnen. Wenn ich davon noch mal anfange, bricht mir das wenige Erreichte weg. Nicht das ich einen richtigen Grund hätte darauf stolz zu sein, ich will einfach nicht von vorne anfangen. Ich hab auch schon mal in die Runde gefragt, was würde denn noch an Computerkenntnissen gefragt werden. Bildbearbeitung, war eine Antwort, drei Teilnehmerinnen waren dafür. Spiele, war eine Antwort, zehn waren dafür. Also nichts Ernsthaftes. Der Chef will mich sprechen. „Na, wie sieht’s aus?“ „Wie soll es aussehen, Sie wissen ja selbst, es ist nicht einfach. Die Officebestandteile, die ich unterrichten wollte, haben wir durch. Es macht nicht unbedingt Sinn jetzt Auch noch Datenbanken und Programmierung zu unterrichten. Ich bin froh darüber, dass ich meine Damen so weit habe, dass sie Briefe und Bewerbungen schreiben können, dass sie Dateioperationen durchführen können, mit Exceltabellen ein wenig arbeiten können, Präsentationen klappen auch schon recht gut, diese Kenntnisse auch noch wesentlich zu vertiefen scheitert von vorne herein an der Einstellung und dem Lernwillen. Bezüglich der Disziplin und des allgemeinen Verhaltens habe ich, wenn ich zurückblicke, wie das vor sechs Wochen noch war, einen gewaltigen Fortschritt erreicht. Es ist aber immer noch nicht eine normale Lernatmosphäre. Manch mal geht es zu wie auf einem Basar. Gut, mit so einer Klientel habe ich auch noch nie gearbeitet. Ich bin in mancherlei Hinsicht ruhiger geworden und setze auch andere Qualitätsmaßstäbe an. Gedanken mache ich mir halt, wie das nächstes Jahr weiter gehen soll. Was vermitteln wir nächstes Jahr?“ Das wir war Absicht. Innerlich habe ich mir schon manchmal gedacht, es kann doch nicht sein, dass ich hier ohne Lehrplan, ohne Vorgaben einfach machen soll was ich will und denke. Und dann wiederum gibt es Bemerkungen über die Lautstärke in meiner „Klasse“. Und es gibt auch Qualitätsansprüche an die Ausbildung von bildungsunwilligen und teilweise bildungsunfähigen Teilnehmern. Auch gab es schon Bemerkungen vom Chef über die wechselnde Teilnahme. Ich habe auch hier erst kennen gelernt, dass  Krankschreibungen zum festen Lebensplan gehören, so lange, wie alle ansässigen Ärzte das mitmachen. Eine Teilnehmerin habe ich kennen lernen dürfen. Sie war einen Tag in den sechs Wochen da. Ich hatte allerdings keine Möglichkeit mir von Ihr ein Bild zu machen. Sie war intensiv mit telefonieren beschäftigt und es juckte sie überhaupt nicht, dass ich sie aufforderte das zu lassen. Nach dem ich ihr „tierisch auf den Keks“ gegangen bin, so sagte es sie jedenfalls zu Frau Heinze, kam dann am nächsten Tag der neue Krankenschein. Bei zwei Teilnehmerinnen auf meiner Liste hatte ich noch nicht einmal die Chance sie von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Hier war aber die lückenlose Krankschreibung vorhanden. Damit macht sich keiner hier irgendwelche Gedanken, das ist bei den sogenannten Bildungsträgern im Auftrag der Agentur für Arbeit normal. Unsere Maßnahme wird zwar im Auftrag des Europäischen Sozialfonds durchgeführt, das Klientel ist aber das Gleiche und die ganzen Rahmenbedingungen auch, das Kind hat nur einen anderen Namen und es hängen mehr Organisationen und Personen dazwischen, so viel weiß ich jetzt nach sechs Wochen schon. „Ja, was machen wir im nächsten Jahr? Deswegen habe ich Sie zu mir gebeten. Mir macht das alles auch keinen Spaß. Das geht nicht gegen Sie, mit Ihnen bin ich sehr zufrieden. Mich befriedigt aber nicht, was wir insgesamt mit den Damen so machen, die Disziplin befriedigt mich nicht, der hohe Krankenstand. Ich will gleich zur Sache kommen.“

 

Kapitel 3 –

Wir gründen ein Unternehmen

    „Wir haben doch schon mal positive Erfahrungen mit einer Übungsfirma gemacht. Das bedeutet nichts anderes als eine komplette Firma, von der Geschäftsleitung bis zum Hausmeister zu konzipieren, dann müssen sich die Teilnehmerinnen für die konzipierten Stellen bewerben, ja und dann geht’s los. Am besten ist, Sie machen sich über die Feiertage schon mal Gedanken und wir sprechen alles dann gleich Anfang Januar ab. Zu den Teilnehmerinnen sagen Sie bitte noch nichts.“ „Ja, das hört sich erst einmal gut an. Haben Sie auch schon eine Idee zum Unternehmensgegenstand?“ „Ich würde mir hier eine Frühstücksversorgung wünschen. So für das gesamte Haus, einschließlich aller Teilnehmer, Lehrgänge und alle, die bei uns so ein und ausgehen. Erfahrungen haben wir ja mit einem „Kaufhaus“. Vielleicht können wir das alles unter eine Decke bringen.“ Mir gefällt diese Idee. Besonders die Idee mit der Frühstücksversorgung. Nicht, dass ich nur ans essen denke, ich sollte sowieso ein paar Kilo abspecken, ich halte mich auch schon ein wenig daran. Nein, Frühstücksversorgung bedeutet auch praktische Arbeit. Und das sollten meine Damen wohl können. Es gibt da schon umfangreiche Hygienevorschriften, so dass voraussichtlich am Ende nur belegte Brötchen rauskommen werden, aber immerhin, das müsste doch klappen. Dazu kommt natürlich eine umfangreiche Vorbereitung, die Konzeption muss erstellt werden, ein Geschäftsplan muss erarbeitet werden, Kalkulationen sind erforderlich, kreative Arbeiten, wie Plakatwerbung, Präsentationen und vieles andere mehr. Arbeit ohne Ende, sinnvolle Beschäftigung ohne Ende, was will man mehr?  Über die Feiertage mache ich mir den berühmten „Kopf“, das bedeutet, ich erstelle schon mal ein Grobkonzept und natürlich auch einen Schulungsplan, alles was in Vorbereitung einer Unternehmensgründung erforderlich ist, und das ist ja nicht wenig.

 

Und in Kürze folgt die Leseprobe 3


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